Schnell, schnell – wir sollen uns beeilen, die Grenze schliesse demnächst, treiben uns die Grenzbeamten auf der pakistanischen Seite an der Grenze zu Indien an. Und dennoch kommt immer wieder einer, der den Kindern etwas schenkt, mit ihnen spielt oder für ein Selfie fragt. Wir haben unser Visum um zwei Wochen überzogen, ein Verlängerungsvisum muss ausgestellt werden. Viel Arbeit für die Grenzbeamten, die schon fast im Feierabend sein sollten – „no worry, keine Sorge“, sie kümmern sich. Tabea und Julian erhalten zum Abschied Pakistan-Fähnchen als Pins an die T-Shirts gesteckt- längst kennen die beiden diese Flagge und sind stolz auf das kleine Andenken. Selbst der letzte Grenzbeamte, der uns das Tor zu Indien öffnet, schüttelt Toralf nochmals die Hand und bedankt sich herzlich für unseren Besuch.
Bedanken wofür? Der Dank liegt ganz auf unserer Seite! Auch dieses Land hat uns – ähnlich wie der Iran – völlig überrascht. Anfänglich hatten wir Pakistan aus der Reiseroute ganz ausgeklammert, Umwege über China und Nepal nach Indien studiert und dann doch beschlossen, einen knapp einwöchigen, schnellen Transit zu wagen. Die Empfehlungen des auswärtigen Amtes liessen Ungutes befürchten. Aus der einen Woche sind sechs geworden. Und es fühlt sich an, als hätten wir nur einen winzigen Bruchteil dieses so vielfältigen Landes gesehen. Den unkomplizierten, liberalen und sehr gastfreundlichen Norden haben wir ausgiebig bereist, gerne hätten wir das zentrale Pakistan und auch den Süden noch weiter erkundet. In der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa haben wir uns anfänglich nicht ganz so wohl gefühlt, einmal mehr eine Gegend, wo absolut keine Frauen in der Öffentlichkeit zu sehen waren. Aufgrund der fortschreitenden Zeit und der Tatsache, dass gewisse Destinationen in Pakistan für Nicht-Pakistani nach wie vor schwer oder gar nicht zu bereisen sind, ziehen wir nach Islamabad direkt weiter nach Lahore.
Schon fast zum Gesetz geworden, kommen wir bei Dunkelheit an, weil wir davor keinen annehmbaren Stellplatz mehr finden und uns gesagt wurde, dass ab 22Uhr in der 12 Milionen Metropole Ruhe einkehre. Bei den Menschen- resp. Automassen, die um diese Zeit unterwegs sind, stellen wir die Definition von Ruhe in Frage. Das Leben tobt, die Verkehrsführung ist teils höllisch mit abenteuerlicher Führung, sodass man sich selbst beim Betrachten des Navis schon auf einer Achterbahn wähnt. An enge Gässchen mit tiefhängenden Kabeln haben wir uns bereits gewöhnt, sind aber trotzdem froh, als wir endlich den angepeilten Stellplatz finden. Lahore mutet sehr indisch an, alles scheint eine Spur hektischer, etwas unpersönlicher und dreckiger. Trotzdem fühlen wir uns auch hier sicher und wohl und mischen uns unter die unzähligen flanierenden Familien. Angetan vom Reichtum an verschiedenen leckeren Südfrüchten, müssen wir uns richtiggehend zurückhalten, um nicht an den unzähligen Saftständen zuzuschlagen. Aber die letzte Brechdurchfall-Episode ist uns noch in zu guter Erinnerung und die Hygieneverhältnisse lassen uns davon absehen.


Badshahi-Moschee 



Lahore Fort
Die kommenden Tage verbringen wir einerseits mit der Entdeckung dieser vielfältigen Stadt und erledigen andererseits mal wieder nötige, administrative Dinge. Lahore, einst eine der Prunkstädte des sagenhaften Mogulreiches, für das damalige Europa Symbol unermesslichen Reichtums und grenzenloser Macht, ist heute eine wuselige Grossstadt, nur einen Steinwurf von Indien entfernt. Von der grossen Zeit zeugen noch diverse Bauten. In der Altstadt Lahores, der walled City, könnte man sich lange verweilen, eindrücklich sind die alten Zeitzeugen, wenn teilweise auch dem Verfall preisgegeben.

Badshahi-Moschee 
Badshahi-Moschee 



Es fällt uns schwer, Abschied von diesem Land zu nehmen. Ein Land, das uns mit offenen Armen und warmem Lächeln begrüsst hat. Uns immer und immer wieder die unendliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft seiner Bewohner vor Augen geführt hat. Ein Land mit wunderschöner Natur, gigantischen Bergen, das so grosses Potential im Tourismus hat, aber bereits jetzt dem ansteigenden Binnen-Tourismus kaum gewachsen zu sein scheint – Tourismus-Boom trifft auf fehlende Infrastruktur. Die sinnlose Vermüllung bisher unberührter Natur hat uns oft nachdenklich gemacht, ebenso der häufig haarsträubend gefährliche Verkehr auf schlechten Strassen. Ein junges Land mit bewegter Vergangenheit und herausfordernder geopolitischen Lage im hoffnungsvollen Aufbruch, der aber immer wieder gedämmt wird. Trotz Investitionen, vor allem im Rahmen des sogenannten China-Pakistan Economic Corridor (CPEC), der zig Milliarden Dollar an Investitionen nach Pakistan einbringen soll, steckt das Land wirtschaftlich noch immer in der Krise. Trotzdem spürt man als Gast die positive Aufbruchstimmung. Auch hat sich nach Jahren des Terrors die Sicherheitssituation in Pakistan massiv verbessert. Obwohl die bewaffneten Kontrollposten omnipräsent sind und die AK-47 zum normalen Strassenbild gehört, haben wir uns nie unsicher oder in irgendeiner Art bedroht gefühlt. Im Gegenteil – wir wurden von der Polizei und dem Militär stets zuvorkommend und äusserst höflich behandelt.
Ein Grund mehr, nach Indien, schon bald wieder hierher zurückzukehren. Au revoir, Pakistan, bis bald!









wieder einmal bin ich froh habt ihr die wunderschöne eindrücke in einem neuen land mit uns geteilt, bin stets froh über einen neuen beitrag von euch kommt und verfolge eure gefahrene route per google maps nach. ich wünsche euch weiterhin viele Abenteuer und gute bekanntschaften, besonders aber eine gute gesundheit. grüessli ELODIE
Liebe Elodie, uns geht’s gut – momentan sind wir sogar mal länger stationär, was uns Erwachsenen sehr gut gefällt, die Kinder aber offenbar todlangweilig finden. Gesundheitlich hatten wir bisher Glück; abgesehen von mehreren Magen-Darm-Geschichten, die irgendwie ja zu erwarten sind, nur eine tiefere Wunde zu nähen – da waren wir ja aber gerüstet 🙂
Warme Grüsse,
Karin & Co
Hallo zäme
Schön von Euch solch spannende Geschichten von Land und Leuten zu hören, resp. zu lesen.
„wir wurden von der Polizei und dem Militär stets zuvorkommend und äusserst höflich behandelt“ Wie sah es denn mit der Bevölkerung aus? Keine Angst vor Überfällen, vorallem nachts? Ihr wart ja in grösseren Städten, wo die Kriminalität sicher sehr hoch ist. Auch noch keine Diebstähle zu verzeichnen?
Lese Eure Beiträge immer sehr gerne, „macht gluschtig“ zu reisen… 🙂 Liebs Grüessli Conni
Liebe Conni
Schön, von dir zu hören! Nein, in Pakistan haben wir tatsächlich keine Sekunde Angst vor Kleinkriminalität, also Diebstahl, gehabt. Die Chance, dass uns jemand etwas ins Auto gelegt hätte, wär bei offenem Auto wahrscheinlich deutlich höher gewesen als Diebstahl 🙂 Auch hatten wir nicht ein einziges Mal das Gefühl gehabt, irgendwie beschissen zu werden – wir wurden stets enorm zuvorkommend behandelt – wie Gäste. Wir haben auch in diesem Land, vor allem im Norden, eine unglaubliche Gastfreundschaft erlebt. Wir wurden mit sovielen Dingen beschenkt, Gemüse, Gebäck, Milch; Autoschlüssel wurden uns einfach so angeboten, weil es mit kleinerem Auto doch viel einfacher wäre, die Gegend zu erkundigen. Viele Menschen wollen deine Whatsapp und sagen Dir, bei Problemen sollst du dich melden. So haben wir es bei unserem Autounfall getan – mit dem Resultat, dass zwei Bekanntschaften die Welt in Bewegung gesetzt hätten, um uns zu helfen. Einer wollte sich gleich auf den Weg machen – eine Tagesreise!
Auch haben wir uns abends, im Dunkeln, in etwas abgelegeneren Gegenden nie unwohl gefühlt, waren da oft noch unterwegs. Respekt hatten wir vor Terroranschlägen, die viel, viel seltener geworden sind, die man aber nicht wegdiskutieren darf. An „neuralgischeren“ Orten haben wir da in der Öffentlichkeit, also zB vor einem Hotel oder gar vor dem Polizeiposten geschlafen.
Alles in allem eigentlich beschämend…wenn man so denkt, was die Medien einem für ein negatives Bild von diesem Land vermitteln. Pakistans Norden – jederzeit wieder!
Bestohlen wurden wir auf der gesamten Reise einmal – das hat aber ziemlich weh getan: die beiden SIGG-Flaschen der Kinder, die wir uns mühsam in den Iran haben bringen lassen, wurden uns in Samarkand geklaut…
Jaa, uns macht es auch immer noch gluschtig – haben so gar keine Lust, wieder zurückzukehren!
Liebe Grüsse aus der Wärme Südindiens,
Karin & Family
Liebe Reisenden
Wie immer geniesse ich Euere tollen Reiseberichte und kann kaum deren Fortsetzung abwarten! Da ich immer wieder auf der Suche nach tollen Reiseberichten bin, stiess ich auf folgende Seite „Bodensee-Overlander.de“. Wenn ihr diese Seite noch nicht kennt, dann schaut doch mal rein. Vor allem die Berichte, die Euere Routen kreuzen sind sicher für Euch interessant. Weiterhin viel Glück und Spass an Euerem Unterfangen
Marcel
Lieber Marcel
Danke herzlichst für die Blumen! Ja, mit den Bodensee-Overlandern waren wir auch in Kontakt – so einiges haben wir ähnlich erlebt, und doch wieder anders. Sehr spannend, wie andere gleiches erleben!
Das Glück war bisher ganz auf unserer Seite und der Spass kommt auch nicht zu kurz!
Herzliche Grüsse aus Südindien,
Karin, Toralf & Kids