Reise

Fairy Meadows – eine nicht mehr ganz so makellose Märchenwiese


Informiert man sich über Trekkingziele in Pakistan, so stösst man unumgänglich auf „Fairy Meadows“, die Märchenwiese. So benannt durch Bergsteiger auf ihrem Weg zum Nanga Parbat-Basecamp.

Zum Ausgangspunkt des Trekkings führt eine 15km lange Strasse, die einen zweifelhaften Ruf hat. Sie ist so eng und ausgesetzt und zudem privat durch die Dorfgemeinschaft bewirtschaftet, sodass sie nur durch Locals in ihren Jeeps befahren werden darf. Bereits beim Parkplatz bemerken wir, dass wir hier nun in touristische Sphären eintauchen. Für einen für lokale Verhältnisse exorbitanten Preis dürfen wir TINKA und ELLI (von Brigitte und Wolfgang) auf einem vermüllten Platz ohne jegliche Infrastruktur parken. Am Vorabend des geplanten Ausfluges geht Toralf die Jeep-Flotte mustern; sein Urteil ist vernichtend: die meisten Fahrzeuge sind in einem sehr schlechten Unterhaltungszustand, die wenigsten Jeeps haben noch Profil auf den Reifen. Ihm wird aber versichert, dass wir unser Fahrzeug wählen dürfen, was wenigstens einen kleinen Sicherheitsspielraum lässt.

Am kommenden Morgen weiss keiner mehr etwas von diesem Versprechen, eine ewig lange Diskussion nimmt ihren Lauf. Schliesslich wird uns doch das am wenigsten abgerissene Fahrzeug zugestanden, dazu gibt’s den Boss der Chauffeure dazu, der den kleinen Jeep gekonnt auf der mörderischen Strasse um die unzähligen Kurven lenkt.

Schon bald lugt der Nanga Parbat hinter den Bergrücken hervor – immer wieder enorm eindrücklich, einen der ganz Grossen von so nahe zu sehen! Wir sind froh, haben wir die Fahrt heile überstanden, schultern unsere sieben Sachen und machen uns auf den Weg zur Märchenwiese. Seit Kirgistan sind die Kinder von Pferden mächtig angetan, und für sie gibt es kein Halten mehr, als sie von Einheimischen mit Transportpferden zum Reiten eingeladen werden. Da wir so auch endlich mal wieder unser gewohntes Schritttempo aufnehmen können, mieten wir dann auch gleich „Sultan“, die nächste grosse Liebe unserer Kinder. Julian und Tabea merken aber bald, dass Reiten, vorallem steile Aufstiege über fast drei Stunden, wenig mit gemütlichem Ponyreiten im Zoo zu tun hat und schwere Arbeit für sie ist. Sie halten aber tapfer durch und sprechen noch tagelang von ihrem Sultan.

Oben angekommen, führt der steile Weg auf die Ebene, die Fairy Meadows. Auch heute ist die einstige Schönheit und der Zauber dieses Ortes noch zu erahnen, der riesige Raikot Gletscher und der Nanga Parbat gewaltig. Der Tourismus hat aber gnadenlos zugeschlagen und schreitet weiter fort. Der Märchenwald wird zunehmend abgeholzt und weicht unzähligen, offensichtlich immer grösser und luxuriöser werdender Unterkünfte. Es fehlt nur noch ein beheizter Swimmingpool und ein Riesenrad…wir mieten beim Polizisten vor Ort ein ein Häuschen für Wolfgang und ein Familienzimmer für uns. Zur Freude von Tabea und Julian teilen wir uns dieses mit einem ausgestopften Raben und einem Steinbock, dem der Schwanz immer wieder abfällt. Ein skurriler Anblick, aber solange die Kinder daran ihre Freude haben…abends kommt der Hausherr noch zu uns ins Zimmer und erzählt von seinem Leben, zeigt uns Fotos von Bergsteigern, die im Frühling am Nanga Parbat ihr Leben gelassen haben und von Reinhold Messner, der ein regelmässiger Gast hier ist.

Am nächsten Tag wollen wir weiter Richtung Base-Camp – leider lässt das Frühstück so lange auf sich warten, sodass wir unter Zeitdruck geraten – wir müssen zum abgemachten Zeitpunkt wieder beim Jeepstand stehen und wandern schliesslich nur bis ins Messner-Camp. Hier sind wir aber fernab der andern Besucher; wir teilen die eindrückliche Bergwelt lediglich mit Einheimischen.

Den Rückweg erwandern die Kinder zu unserer Freude und mithilfe von diversen Wanderliedern selbständig und wir kommen sogar fast pünktlich zum ausgemachten Zeitpunkt bei den Fahrzeugen an. Nur findet sich hier weder unser Fahrer vom Vortag noch sein Fahrzeug; natürlich ist das Ersatzfahrzeug in einem jämmerlichen Zustand, bei völlig ausgeleiertem Lenkgetriebe muss der Fahrer in jeder Kurve zurücksetzen, um die Kurve zu schaffen, die Reifen haben überhaupt keinen Grip. Wir sind dankbar und froh, als wir den Parkplatz wieder erreichen. Uns erwartet ein unglaublich kostbares Geschenk von Brigitte, die im Tal geblieben ist: frisches, noch warmes Ruchbrot und ein Stück Käse mit einigen Scheiben Rohschinken, die bis hierher geschmuggelt wurden. Kein 5-Sterne Gourmet-Menü könnte dies im Moment toppen!

2 comments

  1. Da bekommt man sogar aus der Ferne Gänsehaut. Tolle Photos, waghalsige Strassen ..
    Viel Spass noch! Gruss Julia

    1. Liebe Julia,
      auch dir herzlichen Dank für die Mitreise-Treue – und ein ganz grosses und liebes Dankeschön an das Team, das uns noch zwei Zusatzmonate gewährt!

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