Reise

Die Ungeduld wächst

Seit nun zwei Wochen sind wir in Dresden bei den Eltern von Toralf. Es regnet und stürmt fast ununterbrochen, es ist eisig kalt, die Kinder sind schlecht gelaunt, weil sie sich nicht wie gewohnt draussen austoben können. Wir sind am werkeln, organisieren, abschliessen. Einerseits sind da die Tücken der Technik und noch viele Ausbaudetails – für 4 Personen für ein Jahr viel zu wenig Stauraum, verschiedenes nicht ganz optimal für uns, wie wir bei unseren Probeaufenthalten in TINKA gemerkt haben. Andererseits ist da noch der Administrationsberg. Wir haben in der Schweiz soviel vorbereitet, nächtelang Formulare ausgefüllt, unzählige Amtsgänge und -telefonate getätigt, Mails geschrieben, überwiesen, organisiert, getan. Und dennoch ist diverses noch nicht abschliessend geklärt.

Wir sind doch auch nicht die ersten, die eine solche Reise angehen – manchmal hat man aber tatsächlich den Eindruck, es sei so. Widersprüchliche Angaben bei Versicherungen, Ämtern, Botschaften, der FMH. Es ist teils extrem mühsam, einiges gar kafkaesk. Was gestern noch galt, ist heute Schall und Rauch, keiner will sich festlegen, mit seinem Namen sowieso nicht. Die binationale Familienkombination macht es nochmals komplizierter.

Die Antwort der Turkmenischen Botschaft steht noch immer aus, unsere Pässe wurden wortlos ohne einen Begleitschnipsel oder eine Email zurückgesandt. Von Visumszu- oder absage bisher keine Spur – und das soll die Expressbearbeitung sein?

Für die Kinder haben wir die deutschen Kinderreisepässe benötigt. Nach telefonischer Anfrage wurde uns mitgeteilt, die Kinder müssten bei dem Antrag nicht dabei sein, wohl aber beide Elternteile. So haben sich diese zusammen in die Stadt begeben, Zeit der Gemeinsamkeit im Warteraum verbracht, um dann bei dem entsprechenden Beamten zu erfahren, dass die Kinder immer mit dabei sein müssten. Also nochmals neuer Termin, diesmal mit Kindern, die der Warterei in kahlen Amtswartezimmern nur wenig abgewinnen können. Um beim nächsten Beamten zu erfahren, dass die Fotos, die am Freitag noch für gut befunden wurden, heute Dienstag nun doch zu klein sind. Also ab zum Fotografen am anderen Ende der Stadt – erneut eine Herausforderung, mit 2jährigen biometrische Passbilder zu erstellen. Natürlich hat das Amt zwischenzeitlich schon wieder geschlossen. Also neuer Termin – endlich können die Pässe ausgestellt werden. Mit dermassen unscharf ausgedruckten Bildern, sodass wir unsere Kinder selbst kaum erkennen können.

Die Umbauarbeiten in TINKA ziehen sich ebenfalls. Einiges stellt uns vor grosse Herausforderungen. Das Reserverad ist marode und passt ausserdem nicht zu den andern Rädern. Umbaukleinigkeiten erweisen sich als viel mühsamer als erwartet; wir kämpfen mit Klappen, die nicht schliessen, Adapterlösungen für unser neugebautes Kompost-Klo, leergelaufenen Wasserpumpen…Trotz grosser Hilfe aller Grosseltern sowohl in der Schweiz wie auch hier in Dresden ist einer von uns beiden immer vollumfänglich mit der Kinderbetreuung beschäftigt. Wehe, wenn Julian den Akkuschrauber oder Tabea den Farbpinsel in die Hände bekommt! Ausserdem prallen Toralf’s 120%-Perfekt-Mentalität und Karin’s 80%-Optimismus zusammen. Müsste zusammen ja dann eigentlich 100% ergeben. Ja, müsste…wir müssen uns an der Nase nehmen und uns vergegenwärtigen, welch grossartiges Abenteuer auf uns doch wartet und wie privilegiert wir doch sind! Wir werden aber zunehmend ungeduldig und wollen einfach nur los!

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